so, wie es ist…

am 29. Juni 2010 um 13:36 in Vorbereitung | bisher unkommentiert

Kigali Airport

Es sind keine acht Wochen mehr bis Abflug. Ruanda rückt erschreckend nahe. Nicht, dass ich Angst vor Ruanda hätte, aber ein mulmiges Gefühl hinterlässt es doch, wenn man 12 Monate lang alles Altbekannte erstmal nicht mehr sieht. Aber wer weiß, vielleicht ist es später das Beste, was ich je hätte machen können.

Mein Abitur ist mittlerweile in der Tasche und ich bewerbe mich schon für mein gewünschtes Studienfach, damit ich nächstes Jahr meine Zulassung bereits in der Hand habe und damit den Studienplatz sicher antreten kann. Das Leben wird nicht einfacher…

Soweit zum Zwischenstand.

Vor kurzem habe ich zum ersten Mal mit meiner zukünftigen Mitfreiwilligen Christina gechattet. Während ich im MJK eher technisch beschäftigt sein werde, wird sich ihre Arbeit rund um künstlerische Betätigungen drehen. (Wir haben meines Wissen noch einen Dritten im Bunde, der mit den Kids Fußball spielen soll. Vielleicht meldest du dich ja mal?!).

Christina hat selber einen Blog und ich fragte sie so flapsig, worüber ich denn als nächstes schreiben solle. Sie sagte, sie fände es unglaublich interessant, wenn ich über meine Motivation schreibe. Diesem Hinweis will ich nun folgen… und bitte verzeiht mir, wenn ich mich wiederhole.

Meine Entscheidung, ein weltwärts-Jahr zu machen, ist ziemlich genau ein Jahr her. Ich wusste damals noch nicht, dass es weltwärts gibt, aber, dass es Programme gibt, mit denen man einen Zivildienstersatz im Ausland machen kann. Google sei Dank, fand ich weltwärts dann recht schnell.

Wichtig war mir, dass ich in ins Ausland komme. In der Stufe elf hatte ich die Möglichkeit nicht wahrgenommen und ärgerte mich doch sehr darüber. Dass weltwärts ausschließlich in „entwicklungspolitischen Terrain“ stattfindet, war mir eigentlich egal oder sagen wir mal, es hatte sogar einen besonderen Reiz für mich. Die westliche Welt kennt man ja doch schon sehr gut. Aber der Großteil unseres Planeten lebt eben in einem anderen Kulturenkreis und den wollte und will ich kennen lernen.

In der weltwärts-Börse suchte ich dann nach möglichen Einsatzplätzen, auf die ich mich bewerben könnte. Ich hatte schon immer ein Faible und Händchen für Computer / IT, also hielt ich nach entsprechenden Einsatzplätzen Ausschau. Ich wusste auch von Anfang an, dass ich am liebsten mit Jugendlichen zusammenarbeite. Recht bald stieß ich dann auf den Einsatzplatz in Ruanda, den ich jetzt sogar erhalten habe.

Der Projektplatz interessierte mich brennend. Ich informierte mich über Ruanda, das MJK, die Geschichte, die Menschen. Es interessierte mich, es passte, warum nicht hier hin? Hätte es eine vergleichbare Stelle in Ghana gegeben, vielleicht würde ich dann in 8 Wochen nach Ghana fliegen, aber nein es war Ruanda. Heute kenne ich jede zweite Seite im Internet und jedes dritte Buch, das mit Ruanda zu tun hat… ich muss jetzt da hin!

ein Foto vom Maison des Jeunes

Der Projektplatz wurde vom DED angeboten, also bewarb ich mich dort. Im Gegensatz zu vielen anderen weltwärtslern, war dies meine einzige Bewerbung. Ich hatte keine Garantie, dass ich später überhaupt den Platz erhalten würde, aber für den Gegenfall, hätte der DED genügend Alternativen gehabt. Aber es hat ja alles geklappt. Übrigens, meine Alternativplätze wären einmal in Malawi gewesen (PC-Kurse für Lehrer in Blantyre) und in Ghana (Informatikunterricht für Jugendliche und junge Erwachsene in Cape Coast). Ihr seht also, ich wollte etwas machen, was ich kann – das ist mir total wichtig. Für Ruanda gab es nämlich keine weiteren IT-lastigen Plätze, die mir zusagten. Ich wollte und will nicht in ein Land fahren, nur um es kennen zu lernen. Ich will auch etwas Sinnvolles beitragen können.

Allerdings: ich bin kein Weltverbesserer. Ich bin mir sehr bewusst, dass meine Arbeit auch andere übernehmen könnten. Ich habe nur ein Abitur, keine pädagogische Ausbildung, kein gelerntes Handwerk. Ich nehme an einem Kulturaustausch teil. Der Nutzen davon ist nicht messbar. Er wird sich über lange Zeit hinweg herausstellen, dessen bin ich mir sicher. Erstmal lerne ich von Ruanda. Aber vielleicht erfährt Ruanda ja auch etwas von mir, von Deutschland, meiner Heimat? Das würde mir schon reichen…

Ich freue mich auf die Jugendarbeit im MJK. Ich freue mich auf viele neue Leute. Ich freue mich auf das Neue. Ich warte gespannt auf den ersten Kulturschock. Hoffentlich bin ich auch für negative Erfahrungen gewappnet.

Ruanda wird mich wahrscheinlich länger als „bis August 2011“ begleiten. Nicht umsonst habe ich meinen Blog „Henriks Ruanda“ genannt.

Nzaza vuba, Rwanda. = Ich komme bald, Ruanda. [Ich hoffe das stimmt so?!]


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