Peinlich, wie wichtig mir eine Internetverbindung ist…
Letzten Donnerstag stand ich wie immer auf, wusch mich, zog mich an, setzte mich an den Wohnzimmertisch, schnappte mir eins von den Weißbrötchen, schnitt es durch, schmierte die “ich-muss-nicht-in-den-Kühlschrank”-Butter drauf und überlegte gerade, ob ich jetzt Honig oder Marmelade drauf tun soll, als mich mein Vorgänger und Mitbewohner fragte: “Henrik, hast du dir gestern den Stick mitgenommen?”
Nein, natürlich nicht. Warum denn, der Stick liegt doch dahinten. “Nein, nicht meinen Stick. Ich meine den Stick aus dem Maison des Jeunes”. Ach Mist, es ging ums Internet. Alle Rechner im Maison des Jeunes Kimisgara erhalten ihre Internetverbindung über einen UMTS-Stick, der in Spitzenzeiten maximal Downloads von 200 kb/s erreicht, in der Regel aber nur 20 kb/s.
Das Internet war weg. Es ist immer noch nicht da. Der Stick auch nicht; wahrscheinlich geklaut. “It’s always like that in Africa”, sagte mein Arbeitskollege kommenden Jahres, Norbert, zu mir. Ich gebe zu, an diesem Tag machte ich mir noch viele Gedanken darum. Ist es wirklich immer so in Afrika?
Kimisagara und die anderen Stadtteile, die sich ans Maison des Jeunes anschließen, sind arm. Sie sind keine Slums; die Armut wird hier in Ruanda immer versteckt gehalten. Die meisten haben fließend Wasser und Strom. Aber es hat eben nicht jeder Arbeit. Die ungleiche Verteilung von materiellen Gütern ist (wahrscheinlich) besonders in der Großstadt leicht zu spüren.
Man sagt den Ruandern nach, dass sie sich lieber eine Mahlzeit am Tag ersparen, als dreckig durch die Straßen zu gehen. Das äußerliche Image, der Materialismus ist also durchaus ausgeprägt. Man hat einen gewissen Sinn für “Marken”. Man sagt den Ruandern allerdings auch nach, dass diese Image-Pflege auch betrieben wird um in der Gesellschaft bestehen zu können. Man will niemandem Schaden hinzufügen und selbst gut dastehen. In diesem überbevölkerten Land ist dieser soziale Sinn extrem ausgeprägt.
Wer jetzt aber dem Maison des Jeunes Kimisagara einen UMTS-Stick klaut, klaut ihn allen. Täglich gehen sicher 70-80 Leute aus Kimisagara im MJK ihre Mails abrufen. Das MJK gehört jedem, der es besucht. Das ist die Philosophie. Damit wurde irgendwie jeder beklaut.
Die nächsten Tage, werden wir uns bei der Polizei die Erlaubnis holen, den Stick und die SIM zu lokalisieren. Sollte es erfolglos bleiben (sehr wahrscheinlich!) muss der Flatrate-Vertrag auf eine andere SIM-Karte geswappt werden und die IMEI-Nr. des Sticks wird gesperrt. Wer als nächstes seine SIM in den Stick steckt, wird “erfasst” = gefasst ?! Und wir müssen uns halt einen neuen Stick kaufen. Und irgendwer muss dafür verantwortlich sein… bezahlen tun zum Glück alle, bzw. die, die alles allen zur Verfügung stellen.
Nun, diesen Beitrag schreibe ich vom Büro des Deutschen Entwicklungsdienstes aus. Ich habe die letzten Tage Fotos von unserem Haus gemacht. Die gibt es erstmal als Entschädigung.
mein Zimmer der letzten Tage, Wohnzimmer und Schlafzimmer folgen nach der Renovierung
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Flur zum Bad
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Bad…
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Küche, in einem separaten Gebäude – nicht erschrecken!
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Schöner Garten
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unsere Terasse
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Ausblick
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30. August 2010
14:58 Uhr
Achso, gestern hat die Regenzeit angefangen. Ungefähr eine Stunde, nachdem ich die Fotos von unserem Haus gemacht hatte. Ich hoffe bald wird hier alles grün
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