Mein letztes Wochenende war wirklich lang. Ein unlesbarer Blogeintrag voll mit ungefilterten Impressionen meinerseits. Ich hoffe, er ist nicht zu überflüssig:
Donnerstagabend.
Mein Wochenende fing gefühlt schon Donnerstags an. Es war ein Tag vor Taschengeldausgabe, immer am ersten Freitag des Monats. Auch wenn das nicht sonderlich spektakulär ist, so musste es doch zelebriert werden: am ersten Freitag eines Monats kommt jeder (DED-)Freiwillige nach Kigali.
Donnerstagabends erstes Treffen am Flughafen, die alten Freiwilligen verabschieden (Gruß David:) ). Danach mit ein paar Leuten in die Pizzeria. Pizza! Wahnsinn. Okay, teuer, wenn auch nicht übermäßig, aber das Tagesbudget wurde zum ersten Mal von mir überschritten. Egal, morgen ist Taschengeldausgabe. Zufällig befanden sich in der Pizzeria auch zwei der „Friends of Ruanda e.V“-Freiwilligen, ebenfalls weltwärts. Cool, schon wieder Neue. Danach noch ein Absackermützing und zu gesitteter Uhrzeit nach Hause. Im Gegensatz zu den Freiwilligen außerhalb Kigalis muss ich morgen ja noch arbeiten!
Freitagmorgen
dann Norberts PC-Kurs geleitet. Heute: die richtige Bedienung des Linksklicks, Doppelklick. Ein bisschen Word – Text schreiben (Schwierigkeitsgrad: Space, Enter und Shift) sowie formatieren (Text markieren, fett, kursiv, unterstrichen, rechts, links, mittig, farbig). Ein paar verstehen sehr schnell, ein paar verstehen und ein paar verstehen Bahnhof, zumindestens habe ich diesen Eindruck. Die „Schüler“ sind eben noch nie mit einem PC vertraut gewesen. Aber mit der Sprache klappt es dafür fast reibungslos. Eric spricht so gut Englisch, dass er für alle übersetzt, wenn sie nichts verstehen. Es gibt übrigens auch einen Fortgeschrittenenkurs. In den nächsten Tagen soll ich allerdings auch mit meiner eigenen Gruppe anfangen. Es muss noch diskutiert werden, ob und wieviel der Kurs kosten soll.
Übrigens, bevor ich es nicht dreimal wiederhole, glaubt mir keiner, dass ich 19 Jahre alt bin. Im Unterricht werde ich gerne mit „Sir“ oder „Mister“ angesprochen. Dabei bin ich der Jüngste der Klasse… für Ruander sehe ich so kurz vor „thirty years“ aus. Ich bin Lehrer einer 33-Jährigen Frau. Aber gut, die Stunde war ergiebig und am Ende haben alle kapiert, was sie gemacht hatten. Das zählt.
Freitagmittag.
Ich fahre ins „Simba“ in der Innenstadt. Das Simba ist Supermarkt und (teure) Bar zugleich. Ich treffe weitere Freiwillige – einige davon sehe ich zum ersten Mal – und bestelle mir einen Burger. Burger, Alter! Man gönnt sich ja sonst nichts. Lecker. Okay, Tagesbudget wieder überschritten, aber in den letzten Wochen habe ich echt genug gespart und aufs Geld geachtet. Und gleich fängt ja der „neue“ Monat an.
Freitagnachmittag.
Taschengeldausgabe. Alle DED-Freiwilligen zum ersten Mal auf einem Fleck. Die neue weltwärts-Betreuerin stellt sich vor. Am Dienstag kommt die letzte Ausreisegruppe für dieses Jahr. Die soll nach Möglichkeit am nächsten Wochenende beschäftigt werden. Klaro.
Später Freitagnachmittag.
„Kommt noch wer mit ins Bourbon?“ Ja, am Ende so 12 Freiwillige. Sich etwas gönnen, hatten wir ja noch nicht
. Einen Milchshake für umgerechnet 5 Euro. Viel zu viel Kohle! Aber lecker. Einmal. Und nie wieder. Der Shake war nie im Leben 3500 RWF wert.
Freitagsabends.
Drei der vier „Friends of Rwanda“-Freiwilligen sind bei Rapha, den ich mittlerweile schon kennen lernen durfte. Ich darf auch vorbei kommen. Okay, aber zuerst noch Essen. Moritz, mein Mitbewohner, schlägt vor etwas zu kochen. Tomaten-Rührei mit Toastbrot, auf dem Kohleofen gekocht. Macht satt und war lecker.
Freitagnachts.
Spätabends also bei Rapha. Seine Nachbarn kommen auch noch vorbei. Noch später dann mit den zwei FOR-Freiwilligen aus Ruhango (machen auch ICT), Rapha und seinen Nachbarn ins KBC. Noch ein teurer Schuppen. Aber das habe ich auch noch nicht gemacht. Ziemlich europäisch hier, zumindestens die Einrichtung. Rapha und seine Nachbarn, bzw. Freunde, geben jeweils sogar mal eine Runde… Sonntag wollen sie übrigens auch einen Ausflug machen, ich könnte vielleicht mitkkommen. Ich unterhalte mich länger mit Martin aus Ruhango über PC-Kurse. Jannik (wirst du so geschrieben?) spricht nach 2 Wochen schon beeindruckend fließendes Kinyarwanda und seine Versuchskaninchen sind heute die allgemeine Bevölkerung!
Nett auch die Frau, die sich als Schwimmlehrerin vorstellt. Anscheinend berühmt berüchtigt dafür. Nein danke, ich kann schon schwimmen und zwar sehr gut. „No problem, then we can enjoy this evening.“ Ne wirklich, kein Interesse – es gibt keine strukturierte Prostitution in Ruanda, aber es gibt sie eben. Deshalb treiben sich Menschen dieses Gewerbes in normalen Clubs auf. Ich empfand es allerdings nicht als allzu störend…
Samstag.
Gut ausgeschlafen wollte ich ein Turnier der Schulen Kigalis besuchen. Ausgerichtet wohl vom Human Help Network in Kooperation mit dem National Paralympic Committee (NPC), mussten natürlich auch meine Mitfreiwilligen vom NPC am Samstag arbeiten. Also stattete ich ihnen einen Besuch ab. „Das ist beim Amahoro-Stadion.“ Gesagt getan.
Ich stehe vorm Amahoro-Stadion und will rein. „Where are you going?“, fragt mich ein Soldat. Ich antworte „do you know where the tournament is, I want to go there?“ – er versteht nichts. Später erfahre ich, dass die Soldaten der ruandischen Armee Englisch sprechen müssen, auch wenn sie es nicht können. Zu spät. Er durchsucht mich gründlicher als gedacht und lässt mich durch. Ich bin im Amahoro-Stadion. Übermorgen wird hier der Präsident vereidigt. Soldaten sind dabei Gras zu verlegen. Ich mache mit dem Handy zwei Fotos, gehe ums Stadion herum, finde kein Turnier und will das Stadion wieder verlassen. Ich frage einen anderen Soldaten wo denn jetzt eigentlich das Turnier zu finden ist. „What have you been doing here? – Oh, it has a camera!“ und schaut daraufhin mein Handy an. Wild gestikulierend kommt so eine Art Manager an, ob ich ein Spion wäre, wie ich eigentlich überhaupt reingekommen wäre. Ich erkläre, dass ich eigentlich keine Umstände machen wollte und der Soldat am Eingang hätte mich reingelassen. Sie sprechen mit diesem Waffenträger, der wohl wiederum erklärt, dass ich erzählt hätte, ich wollte ein Presse-Mikrofon installieren. Scherzkeks. Naja, ein paar Mal gucken sie mich noch böse an, ich zeige ihnen, dass ich die Fotos auf dem Handy lösche und dass ich erst seit drei Wochen in Kigali und sowieso das erste Mal am Amahoro-Stadion bin. Dann darf ich gehen. Das Turnier finde ich auf dem Platz nebenan. Ganz lustig. Eine Mannschaft gewinnt halt. Und dann regnet und windet es aus allen Kübeln. Ich fahre nach Hause.
Samstagabend.
Eigentlich wollte ich was mit Tino und Philipp machen, die allerdings mit dem Turnierteam einen Trinken gegangen sind. Also verbleibe ich den Abend zu Hause und unterhalte mich mit Sarah, einer Freiwilligen aus Nygatare, die bei uns übernachtet. Interessante Gespräche. Irgendwann fällt der Strom aus, weil wieder bezahlt werden muss. Kurz nach Bezahlung gehen wir dann allerdings auch ins Bett.
Sonntagmorgen.
Handy klingelt. Nein es ist nicht der Wecker. Es ist Rapha. „Henrik, wir hatten dich doch schonmal vorgewarnt. Heute um 1 geht es mit dem Auto erst einmal nach Nkumba bei Ruhengeri und morgen wollten wir dann noch einen Abstecher nach Gisenyi machen.“ Rapha und seine Nachbarn. Was ein Glück. Montag ist übrigens frei, wegen Präsidentschaftsvereidigung. Geil.
Sonntag.
Das erste Mal raus aus Kigali und das „wahre Ruanda“ sehen. Viele Stories aus Ruanda hören. Die von Deutschen gebaute Straße scherzhaft loben. Verkehrszeichen lernen. Eigenheiten der nichtstädtischen Ruander kennen lernen. Sich dumme Scherze anhören weil man so jung ist. Sich gefährliches Halbwissen über Ruanda von Rapha erklären lassen. Manchmal weiß er es aber auch wirklich.
Abends lecker essen und ins Bett gehen.
Montag.
Nach einem ungewohnt guten Frühstück geht es weiter nach Gisenyi. Erst aber noch Zwischenstopp auf der Vironga Lodge. Hier werden die Touristen, welche eine Gorilla-Tracking-Tour machen manchmal untergebracht. Ziemlich krasse Aussicht. Gorilla-Touren kann man aber nur in Kigali buchen. „Tja, mit Geld hantieren die hier oben wohl nicht“ höre ich als Kommentar dazu. „Ach, deswegen haben die hier oben keinen weißen Manager…“ Trotzdem, der 3-Dollar Maracuja-Saft schmeckt bei der Aussicht schon ziemlich gut.
Weiter nach Gisenyi. Am Strand des Serena Hotels trinken wir nochmal was. Wie schon die letzten Male bekomme ich auch hier wieder alles ausgegeben. Es ist schon komisch. Weil ich deutsch bin, sitze ich mit Deutschen an einem der teuersten Flecke Ruandas und bekomme netterweise auch noch das meiste ausgegeben. Nein, das stört mich nicht und ist auch nur nett. Nur denkt man darüber nach, wenn man eine Autofahrt lang den durchschnittlichen Ruander bei seiner Arbeit gesehen hat.
Es ist nachmittag und noch wahrscheinlich, dass morgen wegen der heutigen Präsidentschaftsvereidigung nochmal frei ist. Ich entscheide noch eine Nacht in Gisenyi zu bleiben und bei meinen Mitfreiwilligen zu übernachten. Wir machen leckere Pfannkuchen, gehen abends noch ein, zwei Bier trinken und hüpfen in der Dunkelheit in den Kivu-See. Mist, morgen ist doch nicht frei. Das heißt, einen frühen Bus nehmen um nicht allzu spät auf der Arbeit zu erscheinen.
Dienstagmorgen.
Mit Benita fahre ich die Strecke nach Kigali zurück. Gefühlt dauert die Strecke fast doppelt so lange, wie mit dem Auto. Krasses Wochenende. Nach der frischen Landluft hat Kigali seinen ganz eigenen Geruch. Autoabgase, verbrannter Müll, leckeres Essen, Wetlands, warmer Wind… irgendwie riecht es für mich nach Heimat. Bin ich angekommen?
Fotos vom Wochenendtrip hat übrigens Rapha gemacht.







9. September 2010
15:25 Uhr
Hej Bruder,
(aber lass dich bloß nicht von den Soldaten erwischen
)
für mich ein sehr aufschlussreicher Bericht!
Klingt gut, aber doch anders als hier in good old germany..
Und viele Grüße an Rapha, seine Fotos sind echt top!!!
Handykamera bild ist aber auch ausreichend gut, also schieß ruhig ein paar Fotos
Kuss
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